Braunenweiler im Mittelalter

Gab es in Braunenweiler eine Burg?

Ab der Jahrtausendwende setzte bei den Ortsherren ein Trend ein, sich außerhalb ihres Dorfes in nicht allzu weiter Entfernung einen befestigten Herrensitz zu errichten, sei es auf einer natürlichen Erhebung, sei es auf einem künstlich aufgeschütteten Hügel. Bei Braunenweiler lassen sich hierzu keine Spuren finden. Es gibt weder einen Burghügel noch Wälle, Befestigungsgräben oder sonstige Hinweise. Ein vager Hinweis lässt sich aber aus der Mappa (Landkarte) von 1735 ableiten. Am südlichen Ortsrand an der Straße nach Renhardsweiler liegt in einem weitläufigen Grundstück ein großer Bauernhof. (Nr.32 in der Mappa). Dieses Anwesen befindet sich außerhalb des Ortsetters auf einem ansteigenden Gelände mit freier Sicht auf das Dorf und verkehrsgünstig gelegen. Nicht weit davon Richtung Osten, befindet sich ein Wasservorkommen in Form einer Quelle. Der Etter hatte im Mittelalter eine wichtige Bedeutung als Trennlinie zwischen Dorf und Außenbereich, z.B. auch für die gerichtliche Zuständigkeit bei Verbrechen oder Vergehen. Oft umgab das Dorf, den Innen-Etter, ein Flechtzaun zur Abgrenzung und Schutz. Außerhalb dieser Abgrenzung eine Hofstatt zu errichten war nicht erlaubt, auch wollte wohl niemand den Schutz des Dorfes verlassen. Wenn es trotzdem geschah, muss dies einen besonderen Grund gehabt haben. Möglicherweise befand sich auf diesem Areal die Burg des Braunenweiler Ortsadeligen. Über Charakter und Aussehen der Anlage kann man keine verlässlichen Aussagen machen. Handelte es sich um einen großen Gutshof mit Wohn- und Wirtschaftsgebäuden, umgeben von einem Palisaden- oder Flechtzaun als Befestigung oder dürfen wir einen burgähnlichen Herrensitz mit Wohn- und Wehrturm, Wall- und Graben annehmen? Denkbar auch, dass das Vorhaben, bedingt durch das frühzeitige Verschwinden der Adelsfamilie nur teilweise zur Ausführung kam und daher keine Spuren hinterlassen hat. Geblieben ist über die Jahrhunderte hinweg eine gutshofähnliche Hofstatt als Hinweis auf die frühere Bedeutung. Eine weitere Besonderheit ist die „seit jeher“ bestehende Zugehörigkeit zur Pfarrei Moosheim, die sich historisch nicht erklären lässt, aber auf eine eigenständige Geschichte der Hofstatt hindeutet. Hier könnten die modernen Methoden der Archäologie wie Lidar-Scan oder Bodenradar weiterhelfen und interessante Hinweise liefern.

Burg
Areal der vermuteten Burganlage des Ortsadeligen.
Ausschnitt aus der Mappa (Ortsplan) von 1735.


Hiermit sollen die Ausführungen über das Mittelalter in Braunenweiler zu Ende kommen. Diese Arbeit erhebt nicht den Anspruch auf wissenschaftliche Exaktheit. Sie soll dem geschichtlich Interessierten einen Einblick in die ersten Jahrhunderte unseres Dorfes geben, soweit dies an Hand der wenigen Daten möglich ist. Es wurde versucht, überlieferte Ereignisse mit allgemeinen Erkenntnissen aus diesen frühen Jahren zu verbinden und so ein Bild über die Lebensumstände unserer Vorfahren zu gewinnen. Wie sich ihr tägliches Leben abgespielt hat, was sie dachten, fühlten und glaubten, das werden wir nicht mehr erfahren.



Anhang