Braunenweiler im Mittelalter

Die Kirche

Über den Bau der Kirchen in den Weiler - Orten gibt es keine schriftlichen Nachrichten. Man darf aber wohl annehmen, dass schon bei der Ortsgründung einfache Holzkirchen entstanden sind, die aber wahrscheinlich noch keine kirchliche Weihe erhalten haben. Erst die in der Romanik errichteten steinernen Nachfolgebauten wurden offiziell geweiht und erhielten einen Heiligen als Kirchenpatron.

(H.Küchle, Kirchengeschichte Schwabens, S.48, Bd. 1)
Holzkirche
Steinkirche
Rekonstruktion einer Holzkirche und einer romanischen Steinkirche mit Chor in Form einer Apsis. (Beide Zeichnungen aus „Landkirchen und Landklerus im Bistum Konstanz während des frühen und hohen Mittelalters“, Harro Julius, 2003.)


Auch für Braunenweiler liegen keine baugeschichtlichen Nachrichten vor. Die archäologische Untersuchung der Wolfartsweiler Kirche vom Jahre 2013 kann uns aber hier weiterhelfen. Anlässlich der Tieferlegung des Fußbodens im dortigen Chor stießen die Archäologen auf die Fundamente eines rechteckigen, aus Wacken und Bruchsteinmauerwerk bestehenden Chores eines kleineren romanischen Vorgängerbaus. Der dazugehörige Friedhof wurde auf das 12. Jahrhundert datiert und bei der Erweiterung der Kirche im 18. Jahrhundert zum Teil überbaut. In zentraler Lage innerhalb des romanischen Chores fand sich eine Grabstelle, sicherlich die einer für das Ort bedeutenden Person, vielleicht der Stifter der Kirche. Außerdem gab es Hinweise auf einen Vorgängerbau zur romanischen Kirche, denen aber nicht weiter nachgegangen werden konnte.

Nach Andreas Willmy, Baubegleitende Untersuchungen im Chor der Kirche St L.eonhart in Wolfartsweiler, in archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 2013, S.281

Nimmt man für Braunenweiler etwa die gleiche Entstehungszeit und eine ähnliche Entwicklung an, so kann man bei aller Vorsicht doch auf vergleichbare Verhältnisse schließen. Auch unter dem Fußboden der Braunenweiler Kirche könnten sich Fundamente eines romanischen Vorgängerbaus und darunter vielleicht Spuren der Urkirche finden und auch Grablegen im Chorbereich sind denkbar. Sicherheit hierüber können aber nur archäologische Grabungen bringen, vielleicht anlässlich einer zukünftigen Baumaßnahme.

Chor
Der romanische Rechteckchor der Wolfartsweiler Kirche (aus Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 2013, S.282, Andreas Willmy MA, Institut für Kulturvermittlung, Rottenburg-Wendelsheim.)


Die heutige Braunenweiler Kirche stammt in ihren Dimensionen aus der Spätgotik, hat aber in der Innenausstattung vielfältige Veränderungen erfahren. Beeindruckend ist der mächtige und hohe Viereckturm mit seinem Fundament aus großen Findlingen. Das Hauptschiff wurde im Jahr 1958 durch beidseitige Seitenschiffe erweitert, die historische Friedhofmauer abgetragen und der die Kirche umgebende Friedhof planiert.

Findlinge
Mächtige Findlingsblöcke bilden das Fundament des Kirchturms (Foto: Ottmar Stützle)



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