Braunenweiler im Mittelalter

Die Gründung von Braunenweiler

Für die Anlage einer neuen Siedlung galt es, einen geeigneten Standort zu finden. Es sollte ein erhöhter Platz über den feuchten Niederungen sein und dann musste es in nicht allzu weiter Entfernung genügend Wasser für Mensch und Vieh geben. Einer dieser Orte fand sich auf einem Höhenrücken zwischen dem Saulgauer Tal im Westen und einem Wiesental im Osten. Das Gelände war eben, stieg aber weiter südlich gegen die Endmoräne zu an. Gegen Norden zu flachte es ab. Das Wichtigste aber: am Fuße des Osthanges sprudelte eine ergiebige Quelle. Hier ließ sich wohl der Sippenführer Bruno mit seinen Leuten nieder und gründete das Dorf Brunenwiler, das dann seinen Namen trug, das Dorf des Bruno.
Der zukünftige Ortsherr beanspruchte für seinen Gutshof ein großes Grundstück direkt oberhalb der Quelle und in unmittelbarer Nachbarschaft zur Kirche, von der er nur durch eine schmale Gasse getrennt war. Die Kirche, vom Friedhof umgeben und in der ersten Ausbauzeit wohl aus Holz gebaut, entstand auf einer Spornlage über dem Tal. Südlich der Kirche, durch einen Zufahrtsweg getrennt, befanden sich weitläufige Grundstücke für den Pfarrhof und das Wirtschaftsgut des Pfarrers, das Widdum. Die Erträge von weiteren Grundstücken sollten der Kirche und dem Stifter der Kirche, dem Ortsadeligen, zu Gute kommen. Im Umfeld von Kirche und Gutshof entstanden die Höfe der Bauern, einfache Holzkonstruktionen mit lehmbeworfenen Wänden aus Weidengeflecht, die Dächer mit Stroh oder Schilf bedeckt. Der Hof des Ortsadeligen war weitläufiger und wohl auch besser ausgestattet, unterschied sich aber in seiner Bauweise kaum von den Bauernhäusern..

Zu Beginn wird es sich um eine kleine Siedlung gehandelt haben. Im Jahre 1353 nennt das Liber Taxationis 20 Wohnstätten, das mögen dann etwa 100-120 Einwohner gewesen sein. Die Mappa von 1735 zeigt ca. 40 Häuser und die Oberamtsbeschreibung Riedlingen von 1827 nennt 45 Wohnhäuser und 315 Einwohner. Es muss also über die Jahrhunderte hinweg bei allen Schwankungen durch Seuchen und Kriege doch ein Wachstum gegeben haben.

Truchsessische Mappa
Ausschnitt aus der Truchsessischen Mappa (Ortsplan) von 1735/1792, Original im Thurn u. Taxischen Zentralarchiv Regensburg.


Es zeigt sich der typische Ortskern der oberschwäbischen Dörfer. Im Mittelpunkt die Kirche auf einem markanten Punkt, daneben der weitläufige Gutshof des Ortsadeligen, gegenüber das Pfarrgut mit Pfarrhaus und Widdum und im Umfeld die Höfe der Bauern.

Um Platz für Häuser und Äcker zu schaffen musste von den Siedlern der umliegende Wald in mühsamer Arbeit gerodet werden. Neben der Axt bediente man sich auch dem Mittel der Brandrodung. Im Laufe der Zeit wurden die Nutzflächen immer weiter ausgedehnt und der Wald immer weiter zurückgedrängt. Dieser Prozess zog sich über lange Zeiträume hinweg. Noch Ende des 18. / Anfang des 19. Jahrhunderts kam es zur Rodung eines Waldstückes gegen Saulgau hin. Bezeichnenderweise trägt der dortige Ösch den Namen „Ghau“ (Gehau). Ein Blick auf die Schmitt`sche Karte von 1797 zeigt sehr anschaulich, wie sich das Dorf seine Markung geschaffen hat und wie der Wald sich nur noch am Rande halten konnte.

Aussaat


Anmerkung:

Wie der Ortsplan von 1735 zeigt, hat sich diese Einteilung im Laufe der Jahrhunderte kaum verändert. Erst die Neuzeit griff in dieses Gefüge ein. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde das alte Pfarrhaus abgebrochen - an seiner Stelle befindet sich heute die Gemeindehalle - und ein barocker Neubau auf der gegenüberliegenden Straßenseite erstellt, der inzwischen ebenfalls beseitigt und durch ein modernes Gebäude ersetzt worden ist. Das Jahr 1958 brachte die Erweiterung der Kirche um die beiden Seitenschiffe, was die Abtragung des Friedhofs und den Abbruch der historischen Kirchenmauer zur Folge hatte

Schmittsche Karte Von 1797
Ausschnitt aus der Schmittschen Karte von Südwestdeutschland von 1797 Österreichisches Staatsarchiv



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