Braunenweiler im Mittelalter

Der Ortsadel

„Zu den Zeiten, da eine Frau zu Buchau Hof hielt waren folgende Edelleute ihre Lehenleute und Diener und hatten folgende Ämter. Die von Winnenden die Wielin sind Vögte gewesen, die von Straßberg Schenken, die von Mietingen Marschalk, die von Braunsberg Truchsessen, die von Braunenweiler Hofmeister.“ (OAB Riedlingen 1923, S.677) Dieser Rückblick auf eine nicht näher präzisierte Vergangenheit findet sich im Lagerbuch des Stiftes Buchau aus dem Jahre 1477.
Gab es damals im Stift Buchau noch eine vage Erinnerung an die Zeit der Ministerialen und deren Verpflichtungen gegenüber der Äbtissin? Der Text klingt durch die Nennung der Orte, zu welcher das Kloster in Beziehung stand authentisch. Auch scheinen damals die adeligen Äbte und Äbtissinnen die Sitten ihrer weltlichen Standesgenossen übernommen zu haben. Vom St.Galler Abt Notker (971-975) berichtet der Chronist: „Die Krieger zwar pflegte er … als Truchsessen und Schenken für die Wochenordnung an seinem Tisch zu haben und er hatte die Gewohnheit, dass ihm von ihnen in geordneter Weise aufgewartet wurde.“
Jedenfalls ist obiger Text die einzige schriftliche Erwähnung eines Braunenweiler Ortsadeligen und gleichzeitig ein Hinweis auf eine frühe Verbindung zum Kloster Buchau. Weitere Urkunden oder sonstige schriftliche Nachrichten aus der Zeit der Ministerialen Braunenweiler betreffend lassen sich nicht finden. Das ist erstaunlich. Die Ortsadeligen unserer Gegend erscheinen sonst im 12.und 13. Jahrhundert regelmäßig als Zeugen in Schenkungs- und Kaufurkunden des Hochadels. Eine mögliche Erklärung: das Geschlecht der Braunenweiler Ortsherren konnte urkundlich nicht in Erscheinung treten, da es schon vor der Urkundenflut des 12.und 13.Jahrhunderts erloschen war.



Anmerkung:

Der Bericht über den St. Galler Abt Notker wurde aus “Casus Sancti Galli“ des Mönchs und Geschichtsschreibers Ekkehart IV., übersetzt von G. Meyer von Knonau entnommen.




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