Die Besiedelung der Hochflächen
Jahrhundertelang begnügten sich unsere Vorfahren mit der Bewirtschaftung des vorgefundenen Kulturlandes. Irgendwann aber reichten diese Flächen nicht mehr aus um die wachsende Bevölkerung zu ernähren. Es galt, neues Land zu erschließen und da boten sich die menschenleeren Hochflächen südlich der Donau bis zu den Jungmoränen der letzten Eiszeit an. Die Landschaft hatte einen weiträumigen Charakter, die Böden waren frisch und fruchtbar und versprachen gute Ernten, aber ein dichter Wald aus Eichen und Buchen bedeckte die Landschaft.
In diese so genannte zweite Ausbauzeit fällt die Entstehung der Weiler-Orte. Wann dies stattfand, darüber gibt es keine schriftlichen Nachrichten. Die spärlichen Urkunden aus dieser Zeit berichten nichts über die Gründung von Siedlungen, und als dann ab dem 12. und vor allem dem 13. Jahrhundert die Urkunden sich häuften, werden die dort erwähnten Ortschaften als längst bestehend vorausgesetzt. Heinrich Löffler macht in seiner grundlegenden Arbeit über die Entstehung der Weiler-Orte in Oberschwaben darauf aufmerksam, dass sich im Altmoräneland südlich der Donau und parallel zu ihr eine Reihe von größeren Weiler-Orten befinden. Aus der näheren Umgebung sind dies Tafertsweiler, Wolfartsweiler, Lampertsweiler, Renhardsweiler, Braunenweiler, Allmannsweiler. Diese Orte grenzen an das Altsiedelland und so liegt die Vermutung nahe, dass ihre Gründung von den bestehenden Orten aus erfolgt sein könnte. Nachgeborene Söhne dortiger Ortsadeliger könnten die Initiative ergriffen und mit einer Anzahl landloser Leute neues Siedlungsland gesucht haben. Die Mittelalterforschung geht allerdings davon aus, dass es sich bei dieser Ausbauphase nicht um spontane Einzelaktionen gehandelt habe, sondern um eine von Herrschaftszentren ausgehenden geplante Aktionen zur Erschließung neuer Gebiete. H. Löffler meint sogar, auf Grund der Ortsnamen auf von Außen kommende Siedler aus dem fränkischen Raum, und damit auf eine Ausweitung des fränkischen Herrschaftsgebietes schließen zu können. So wenig man Konkretes über diese Siedlungstätigkeit weiß, so unpräzise sind auch die Kenntnisse über die zeitliche Einordnung. H. Löffler sagt in seiner oben zitierten Untersuchung, dass „die wahrscheinliche Zeit der oberschwäbischen „Weilermode“ auf 100 Jahre begrenzt werden kann (730-830)“. Hans-Joachim Schuster datiert die Weiler-Orte etwas früher und bringt sie ebenfalls in Zusammenhang mit dem ab der Mitte des 7. Jh. beginnenden Landesausbau. Rainer Christlein nennt den Beginn von Siedlungen mit Weiler-Namen im Mindeltal auf Anfang des 8. Jh., während Rainer Schreg die Siedlungstätigkeit im Schlichemtal bei Balingen auf das 7. Jahrhundert datiert. Diese unterschiedlichen Datierungen können auf regionale Unterschiede oder lokale Einflüsse zurückzuführen sein. Für unsere Gegend möchte man sich an Heinrich Löffler orientieren der ganz konkret die Ortsnamen unserer nahen Umgebung und vor allem auch Braunenweiler nennt und auch eine schlüssige Erklärung zu den Ortsgründungen liefert.
Aller Wahrscheinlichkeit nach ist also das Dorf Braunenweiler in den Jahrzehnten um 800 n. Chr., möglicherweise auch etwas früher, in der Karolingerzeit, gegründet worden.
Literatur:
Heinrich Löffler, „Die Weilerorte in Oberschwaben“, W. Kohlhammer Stuttgart 1968, u.a. S.397 u. 413,
Hans-Joachim Schuster in „Alamannen zwischen Schwarzwald, Neckar u. Donau“, Konrad Theis Verlag Stuttgart 2008.
Rainer Schreg „Die Erschließung der Siedlungslandschaft“ ebenda,
Rainer Christlein „Die Alamannen“, Konrad Theis Verlag Stuttgart 1978
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