Das Leben der Dorfbewohner
Das Leben der Dorfbewohner folgte dem Rhythmus der Jahreszeiten und hing von der Gunst der Witterung ab. Auf den Äckern wuchs das Getreide: Hafer (Avena), Weizen (Siliginis) und Dinkel (Speltum). Diese Getreidearten werden im Liber Taxationis von 1353 als Einnahmen - Zehnten der Kirchengemeinden im Dekanat „Sulgen“ genannt. Möglicherweise kamen aber auch noch Gerste (Hordeum) und Roggen (Secalis)) zum Anbau. In den Gärten wuchsen Hülsenfrüchte und Wurzelgemüse. Die Ernährung hing also überwiegend vom Ertrag der verschiedenen Getreidesorten ab. Von der Zweifelderwirtschaft, bei der im jährlichen Rhythmus zwischen Getreideanbau und Brache gewechselt wurde, ging man im Laufe des Mittelalters zur Dreifelderwirtschaft über, d.h. zum dreijährigen Wechsel zwischen Winterfrucht (Weizen, Dinkel), Sommerfrucht (Hafer, Gerste) und Brache. Die Ackerfläche der Markung war in drei Großfelder aufgeteilt, den Sommerösch, den Winterösch und die Brache. Es herrsche Flurzwang, d.h. jeder Bauer musste die dort vorgegebene Getreideart säen. Feldwege waren keine vorhanden. So musste die Bearbeitung und die Ernte der Felder von allen Grundbesitzern gleichzeitig vorgenommen werden. Im Rahmen seiner Befugnisse, dem „Zwing und Bann“, d. h. dem Recht zu gebieten und zu verbieten, bestimmte der Ortsadelige auch über die Dorfflur und legte den Beginn der Ernte fest. Das Vieh weidete vom Frühjahr bis in den Herbst hinein auf den Wiesen und der Brache, wobei es dort gleichzeitig für Düngung sorgte. Auch den Wald nutzte man als Nahrungsspender für Vieh und Schweine.
Während des Mittelalters gab es an den bäuerlichen Arbeitsgeräten technische Verbesserungen: von der Sichel zur Sense (Säegas), vom primitiven Hakenpflug zum Räderpflug (Pfluag) mit Wendeschar, und durch die Einführung des Kummets (Kommlet) konnte die Kraft der Zugtiere besser genutzt werden. Das Dorf lebte über Jahrhunderte hinweg ohne große Veränderung vom Ertrag der Landwirtschaft. Die wenigen Handwerker im Dorf, Schmied, Wagner, Sattler dienten den bäuerlichen Bedürfnissen.
weiter